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13.04.2013

DSDS - Die Kirche des Kapitalismus

Jede Woche wieder ziehe ich mir „Deutschland sucht den Superstar“ rein.
Ja, ja, ich weiß, DSDS ist zynisch, manipulativ, heuchlerisch, eigentlich eine Farce.

Und dennoch: Ich brauche den Junk wie ein Heißhungriger seinen Burger. Was ist so faszinierend an einer Fernsehshow, die mit großem Getöse junge Menschen selektiert, lächerlich macht, aussaugt und kurze Zeit später wieder in die Bedeutungslosigkeit entlässt, aus der sie gekommen sind? 
DSDS ist die Kirche des Kapitalismus. Hier werden Werte vermittelt, Leitbilder geschaffen, Rollen definiert – kurzum: Ideologie reproduziert. Vor Millionenpublikum werden die großen Fragen der Nation verhandelt: Wer ist einer von uns? Und was bedeutet das eigentlich? Wer erhält eine Chance, seine Träume zu verwirklichen? Und was muss man dafür tun? Identität und Teilhabe, Aufstieg oder Exklusion, Schuld und Vergebung in der kapitalistischen Ethik.
 
Häh, wie das? Schauen wir genauer hin.
 
Vom Menschen zum Humankapital: Das neoliberale Leistungsethos,
der Hohepriester des Neoliberalismus Dieter Bohlen hämmert seinen Jüngern das Glaubensbekenntnis mit jedem Satz ein: Du musst hart an Dir arbeiten, Du musst Leistung bringen, Du musst hier jedes Mal abliefern. Scheißegal ob Deine Frau ein Kind bekommt, ob Du heute krank bist oder Dein Vater Dich verprügelt hat – alles was zählt ist Deine Leistung hier und jetzt. 
Das ist nicht der bürgerliche Verdienstbegriff, der danach urteilt, ob einer ‚wirklich gut singen kann‘. Das ist auch kein sozialer Leistungsergriff, der die Lebensumstände berücksichtigt. Das ist der kalte Leistungsbegriff des Neoliberalismus, der sämtliche Lebensrisiken den Individuen aufbürdet.
 
Aus neoliberaler Perspektive hat ein Arbeitsloser sich nicht genug angestrengt, ein Kranker sich falsch ernährt und ein Gebrechlicher sein Fitnessprogramm vernachlässigt. Das ganz auf sich gestellte Individuum, das ohne zu murren hart an sich arbeitet, ohne Hilfestellung Leistung bringt und bei Wind und Wetter abliefert. So wird aus Menschen Humankapital, das der globalisierte Kapitalismus beliebig verschieben, aussortieren, und verschleißen kann. 
Vom Tellerwäscher zum Superstar? Das Heilversprechen des Kapitalismus.
 
Warum unterwerfen sich die Kandidaten diesem Martyrium? Warum lassen sie sich vor großem Publikum beleidigen, maßregeln und lächerlich machen? Wofür arbeiten sie Tag und Nacht, verzweifeln und kämpfen sie? Für das Heilversprechen des Kapitalismus: dass jeder es schaffen kann. Dass jeder es vom Tellerwäscher zum Millionär, vom Problemschüler zum Superstar bringen kann. Wenn man nur, wir haben‘s ja schon kapiert: hart an sich arbeitet, Leistung bringt und abliefert.
All Menschen werden Brüder? Gleichheit im Konsum.
Da ist sie wieder, die alte Janusköpfigkeit des Kapitalismus. Rund um den Erdball wälzt er Gesellschaften um, ebnet alte Trennlinien ein, und schafft zugleich neue Unterschiede. Slavoj Zizek hat auf das emanzipatorische Potential dieses multi-kulturellen Kapitalismus’ hingewiesen. Hier blitzt das Händlerethos auf: Egal wer Du bist oder woran Du glaubst, Dein Geld ist gleich gut. Alle Menschen werden Brüder? Nein, aber zumindest shoppen sie friedlich Seite an Seite.
 
Gleichzeitig macht das multi-kulturelle Prekariat die neuen Trennlinien des Kapitalismus sichtbar. Ob nun seit Jahrhunderten ansässig oder gerade erst zugewandert: Ein Kind aus dem „bildungsfernen Milieu“ hat nicht allzu viele Lebenschancen. Oft bleiben nur drei Wege nach oben: die Armee, der Sport, und das Showgeschäft. Willkommen bei DSDS. 
Es ist daher kein Zufall, dass die DSDS-Kandidaten ein Potburri an Bindestrichdeutschen sind. Und es überrascht nicht, dass hier ehrgeizige und talentierte junge Menschen die Chance, die ihnen (vermeintlich) gegeben wird, mit beiden Armen umklammern. Die Tränen der Gescheiterten, der Enthusiasmus der Sieger sind daher echt. Und gleichzeitig der eigentliche Treibstoff der Unterhaltungsindustrie.
 
Die kunterbunten Messdiener des Kapitalismus.
Und doch geht es hier um mehr als um Gladiatoren, die zur Unterhaltung des Publikums um eine Lebenschance kämpfen. Junge Menschen, die um ihren Patz in der Gesellschaft ringen, waren zu allen Zeiten die idealen Fackelträger der jeweils herrschenden Ideologie. Ihr Enthusiasmus und ihre Naivität machen sie zur leichten Beute. Ihr heiliger Ernst, ihre verzweifelte Entschlossenheit macht Ideologie fühlbar. Von den Messdienern wird also ein Gesellschaftsideal vorexerziert. Es ist das Gesellschaftsideal des globalisierten Kapitalismus. Weinende Muttis im Kopftuch, dunkelhäutige Leistungsträger, Araberinnen im Bikini, farbenfrohe Trachten am Bühnenrand: Hier wird das Bild einer kunterbunten Gesellschaft zelebriert, in der jeder einen Platz hat, der eben ansicharbeitetleistungbringabliefert. 
Schuld und Vergebung im Kapitalismus.
 
Bei allem Zynismus über die Halbjahreskarrieren der Vorjahressieger: In der Kirche des Kapitalismus geschehen auch echte Wunder. Die Ausgeschlossenen erhalten die Chance, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, wenn, ja wenn sie sich nur an die Gebote ihres Herren halten und hart an sich arbeiten, Leistung bringen, abliefern. Und den Gefallenen wird Vergebung ihrer Sünden gewährt, wenn sie sich in kleinen Einspielfilmchen tränenreich für ihre vergangenen Fehltritte um Vergebung bitten.
Der Mensch bleibt Mensch.
 
Nur das Publikum, das ungezogene Gör, spielt nicht mit. Verweigert den Jury-Favoriten die Anrufe. Stimmt nach Sympathie ab, nicht nach Leistung. Denn oft wirken gerade die Kandidaten, die am abgeklärtesten die Logik der Show befolgen, kalt und berechnend. Und das Publikum will sich lieber identifizieren, verlieben, mitfiebern statt Leistung zu belohnen. Aber warum soll es der Kirche des Kapitalismus besser gehen als ihren Vorgängern. Der Mensch bleibt Mensch, und pfeift auf die Gebote.

22.03.2013

Zombiekapitalismus

) wimmelt es nur so von Vampiren, Werwölfen und Untoten. Die Monster saugen hier aber kein Blut und fressen keine Hirne. Ganz im Gegenteil: Der Autor legt uns selber auf seine Couch. Alle Großen des Monster Dekonstruktivismus (jawohl, so etwas gibt es) kommen hier zu Wort, um zu klären welche Funktion Monster für uns haben. Nicht umsonst waren die Mythen und Legenden aller Völker zu allen Zeiten von Untoten, Übermenschen und Halbwesen bevölkert. Im Kern geht es um das menschliche Bedürfnis, die eigene Identität in Abgrenzung zum „Anderen“ zu definieren. Erst die Unmenschen erlauben es uns, das Menschliche in uns zu erkennen. Im Gegensatz zum Tier sind die Monster allerdings Halbwesen, die immer einen Teil Menschliches in sich tragen. Frankenstein ist noch nicht, der Werwolf nur manchmal, die Zombies nicht mehr Mensch. Wir erkennen uns in diesen Spiegeln und erschrecken. Es ist exakt diese Verwischung der Grenzen zwischen Mensch und Bestie, zwischen Leben und Tod, zwischen Individuum und Massen, zwischen Selbst und Anderen, zwischen Körper und Technik, die das Schaudern ausmacht. Die Terminatoren, Aliens und Vampire Hollywoods spielen mit dieser Ambivalenz und provozieren in Super 3D unsere ältesten Urängste.Low-fat mocha with a sprinkle of BRAINS.Auf Trent de Jongs Zombie Blog (http://trentdejong.com

Soweit, so amüsant. Man könnte den alten Monster ein neues Leben in der Popkultur wünschen und sich anderem zuwenden, wäre da nicht die Frage, worum einige von ihnen plötzlich zu, naja, Popstars aufsteigen. Begonnen hat alles mit den Aliens, die nach Jahrzehnten als skurile Spinnerobsession den X Akten entstiegen und gleich hordenweise unsere Heimat Erde angriffen. Die irrationale Furcht vor Außerirdischen, Fremden, Andersartigen, Aus-ländern verweist auf die Krise der eigenen Identität. In Kombination mit den Weltuntergangsphantasien um die Jahrtausendwende hatte diese Krise etwas Paranoides. In dutzenden von Filmen wurden wieder und wieder die Symbole des Kapitalismus und Amerikas – die Zwillingstürme, das Weiße Haus – zerstört. Nur ein Jahr später machte eine Gruppe von Anti-Amerikanern, Anti-Modernen, Anti-Christen aus den Fieberträumen grausame Wirklichkeit. Und die Amerikaner jagten Monster in den Höhlen von Tora Bora und im Sand des uralten Zweistromlandes.

Als nächste wurden die Vampire aus ihren Särgen geholt. Vampire waren immer Symbole sexueller Leidenschaft. Und doch lässt sich auch hier eine deutliche Bedeutungsverschiebung beobachten. Die alten Draculas waren konservative Monster, die sexuelle Sittlichkeit anmahnten: Gibt Dich Deiner Leidenschaft nur ein einziges Mal hin, und sei in alle Ewigkeit verbannt. Die neuen Vampire sind Sexsymbole, libertäre Casanovas, sexuelle Rebellen. Spiegelt sich darin die Emanzipation der weiblichen Sexualität? Oder die wachsende Akzeptanz von Queer Identities?

Der Vampirkult ist also ein Signifikant, ein Marker eines sozio-kulturellen Umbruchs. Gesellschaftliche Transformation und der damit verbundene Kulturwandel vollziehen sich oft schleichend und für den oberflächlichen Betrachter unbemerkt. Oft werden die Umwälzungen erst mit dem Abstand von Jahrzehnten sichtbar. Mitten im Getümmel lässt sich aber nur schwer in Worte fassen, was genau sich verändert. Popphänomene weisen daher immer über sich hinaus. Sie sind Symbole für schwer zu Benennendes, sie machen komplexe Fragen emotional erfahrbar und berühren genau deswegen plötzlich Millionen von Menschen. Im Zeitalter der sozialen Medien verbreiten sich solche intuitiven Aussagen über alle Kultur- und Sprachgrenzen hinweg in Windeseile um die Welt.

Womit wir bei den Zombies wären. Warum wanken auf einmal Untote durch hunderte von Filmen, Fernsehserien, Werbeclips und Videospiele? Wofür steht der Zombie, und warum ist er plötzlich so populär? Zunächst die Fakten. Bei einer Umfrage zur wahrscheinlichsten Form des Weltuntergangs nannten die Befragten die Zombie-Apokalypse an dritter Stelle. Mehr als die Hälfte aller Zombiefilme wurden nach der Jahrtausendwende gedreht. Mein Bauchgefühl sagt mir allerdings, dass die Zombie-Invasion zu einem anderen Datum begann: am 15. September 2008, dem Zusammenbruch der Lehman Brothers. Die Untoten symbolisieren das, was Colin Crouch das „befremdliche Überleben des Neoliberalismus“ genannt hat. Der globale Finanzkapitalismus ist klinisch tot, doch wir erhalten ihn mit künstlicher Beatmung weiter am Leben. Erinnern die Finanzmarktanalysten, Wirtschaftsexperten und Rettungsschirmspanner nicht an die bleichen Untoten, die grunzend ihren sinnentleerten Routinen folgen? Und ernähren wir nicht längst Zombiebanken und untote Unternehmen am staatlichen Tropf? Ist nicht die ganze Finanzkrise eine Farce, ein geschmackloses Remake der Great Depression von 1929? Erinnert vielleicht daher die Atmosphäre an einen Zombiefilm: der Einbruch der Katastrophe in unser alltägliches Leben, die immer neuen Schocks, und die Absurdität der ganzen Szenerie? Und dennoch, Zombies sind nicht nur komisch, sondern zum Fürchten. Lässt man sie zu nahe an sich heran, fressen sie Hirn und Herz, und man wird selber Teil der hirnlosen Masse. Wobei es nicht ohne Ironie ist, dass die hirnlose Zombiehorde die Urangst der Liberalen verkörpert: der Tod des Individuums in der Masse.
Wir wissen insgeheim alle, dass der Finanzkapitalismus nicht mehr lebendig werden kann. Und doch hoffen wir weiter, dass ein Wunder geschieht und die Untoten auferstehen. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir uns die Wahrheit eingestehen, dass man Tote ruhen lassen muss. Bis dahin führen uns die Zombies weiter vor, was wir in der Realität nicht wahrhaben wollen.

02.11.2012

The Politics of Sandy

Compared to its size and fervor, the damages and loss of life inflicted by Hurricane Sandy have been thankfully below expectations. Nonetheless, the political significance of this natural disaster, only one week before the US elections, will be felt beyond the day.

1. The City upon the Hill
For better or worse, New York City is a symbol for millions in the US, and for many more around the globe. It is by no chance a coincidence that every blockbuster aims at The City, be it by aliens, water, ice or pandemics. September 11 decidedly targeted The City as the symbol. Evangelicals applauded the wrath of god brought to Sin City. Millions of observers who otherwise hold a grudge against the United States of America pour over with empathy for The City. New York City is not a city like any other. The City symbolizes all of us.

2. It’s Climate Change, Stupid!
PhotoHence, it matters if two giant hurricanes force the evacuation of The City in only 14 month time. Scientific evidence suggests that the unprecedented melting of the Arctic ice cap allows for giant tropical-blizzard hybrid storms to form in the first place. These hurricanes are a symbol to the most skeptic nation on Earth that climate change does exist, will not go away, and hit us harder than we could ever imagine today. Sandy may well be the Titanic of the Climate Change Age.

3. And the winner is…

Governor Christie of New Jersey and NY Mayor Bloomberg quickly realized the significance of Sandy, and turned against their fellow Republican Presidential candidate to praise Barack Obama as an effective and caring Commander in Chief. Despite his own efforts to mitigate climate change, Mitt Romney’s quip that money on disaster relief is “immoral” may now come to haunt him. Given the tightrope that is this presidential election, Sandy may just have made the difference.

4. Governance Matters
Compare the reaction of local and federal administration to Hurricane Katrina, and you will see that effective governance matters. Nobody would want the “Government outta the way” when it sends relief helicopters. Liberals may insist that they too want a minimal guardian state providing security. However, effective governance needs healthy public finances, solid institutions and committed personal. The City can be lucky that those survived the three decade-long neoliberal onslaught on the state.

17.02.2012

Women are from Mars, Men are from Venus

Women are the true defenders of the great project of modernity. Women still believe in its great promise : that humans can determine their fate. That you can lay the ground for a better future by shaping your environment. That rational choices lead to predictable consequences. That hard work, sober planning and personal optimization empower us to take our fate in our own hands. Biologically keen to provide safety for their families, women have taken the gospel of neoliberalism to their hearts: it is the individual that is responsible for all risks of life. Playing by these new rules of the game requires constant self-optimization.  More so, it takes a can-do attitude: head on, pragmatic, result-oriented.  In order to advance a career and breed a family at the same time, women have mastered the Arts of Mars.

This worldview necessarily collides with a postmodern attitude that clearly acknowledges the dialectics of our existence. In this view, seemingly antagonistic principles are necessarily intertwined. Evil is the necessary precondition of good. Good and Evil cannot exist without each other. Without any point of reference, progress is a mere illusion. Even if we thrive, we must necessarily decay. Without any superstructure, life is absurd. Sisyphos may regain some sense of agency, but he cannot know of holy zest. Surrendering to the necessary ambivalence of postmodern life, Men indulge in the Art of Venus.
Eva is looking for a committed partner in crime. Adam doesn’t  even see the point in trying that silly fruit. Eva reduces the complexities of postmodern life in order to concentrate on her personal advancement. Adam embraces ambivalence as the principle of his life. The battle between the sexes goes into its next round.

27.08.2011

Unease about Allegiance

When it comes to public affirmation of norms and values, Germans and Americans could not be further apart. American affirmation of norms and values, starting with the Allegiance to the flag, but sipping through to the language of curricula, movie dialogues or even everyday jokes, are disturbing to the German observer. Germans, on the other hand, generally have been socialized with a massive disdain for overt patriotism, and are generally sceptical toward any public affirmation of norms, which are widely regarded as private beliefs. Yet, mockery of American über-patriotism fails to see the underlying reasons for the ubiquity of norm affirmation: the heterogeneity of the immigrant society. Norm affirmation seems to be the American Way of building common ground between individuals with highly diverse personal backgrounds, as well a constructing a national identity for a fragmented society. Having become an immigration country itself, Germany still lacks any similar cultural technique to forge a bond between its increasingly heterogenous citizens. Yet, given its totalitarian past, norm affirmation just seems out of the question.

08.08.2011

We are all Indians now.

Colonization used to work so well for Western powers. Offer a bag of glass pearls to the ignorant leader of a far-away country and get a wealth of assets in return. Establish a profitable trade regime, the flag will follow. Build on economic might, the West established its own world order.
Now it seems the West has successfully colonized itself. Driven by the greed of its ignorant leaders, the US sold its treasury and blue chip industries for cheap consumer goods from China. After 30 years of "lean state" policies, its infrastructure looks more like a Third World Country than a superpower. Europe partly joined this debt addiction, partly choked off economic dynamism by fortifying social structures.
Now, after burning the state treasury as the last safety net of a perverted system, we enter the "too big to rescue" meltdown. As Western leaders seem both incompetent and addicted to the poison they continue to inject, Western decline seems inevitable.
If you ever wondered why Nero burned down Rome (or the Imperial Chinese burned their naval fleet, if you prefer an example from the new geopolitical center), there are ample answers now. It all boils down to this: The hegemony of the neoliberal oligarchy is so perfectly universal that noone questions it, but rather sticks with the gospel and watch the world burn to ashes.

09.04.2011

In der Ästhetik berühren sich die geistige Welt der Ideen und Makro Umwälzungen und die Welt der Dinge und Mikrobedeutungen. Ich sehe einen schönen Gegenstand, und frage mich: warum ist er schön? Welche Idee steht dahinter? Was symbolisiert er? Welcher Sinn wird ihm zugeschrieben? Warum gerade jetzt? Wer findet ihn schön? Warum findet man Dinge schön, die man einmal abscheulich fand? Sinnzuschreibung wird permanent neu hergestellt, weil sie alle gedanklichen und sozialen Systeme ständig neu reprodizieren oder neu ausgerichtet werden. Warum finden wir einen Gegensatnd, der alt, abgenutzt oder sogar kaputt ist schön? Weil in einer Zeit der industriellen Reproduzierbarkeit und der globalen Verfügbarkeit einem Gegenstand mit Geschichte Einzigartigkeit und Authentizität und zugeschrieben wird. In der Welt des Massenkonsums ist das Alte originär und nicht reprodizierbar und kann so zur Projektionsfläche für eine Gegenästhetik werden. Dabei geht es weniger um Nostalgie, die sich auf die Dinge konzentriert, die wir aus unserer erlebten Vergangenheit kennen, und sie ironisiert wiederaufleben lässt. Ahoi Brause, Capri Sonne, und Bonanzarad sprechen andere Sehnsüchte an als verrostete Emailschüsseln, Schwemmholzmöbel oder Belle Epoque Gartenstühle. Dennoch geht es in beiden Fällen um die Neuzuschreibung von Sinn, um eine neue Kodierung der Lesart. Ironisierung ist die Vorstufe der Dekonstruktion, im Nietzsche'schen Sinne vielleicht sogar die Umwertung der Werte. Dennoch bleiben solche Umwertungen schwächliche Zuckungen. Eine Avantgarde, die zu einer echten Umwertung in der Lage wäre, kann es aber in der Postmoderne nicht geben, weil es keinen Fortschritt mehr geben kann. Die europäische Avantgarde hatte sich an der alten Ordnung abgearbeitet. Hat sie radikal zertrümmert, und neue Utopien erschaffen. Nach der totalen Dekonstruktion aller kulturellen und sozialen Systeme gibt es aber nur noch sinnentleerte Elementarteilchen, die sich zu neuen Sinneinheiten verbinden und wieder zerfallen, frei interpretierbar je nach Betrachter. Geschichte wird so auf die Interpretation der Zeitgenossen, genauer, der jeweiligen hegemonialen Weltsicht reduziert. Fortschritt, der Gott der Moderne, iszt damit unmöglich. Wir müssen also wieder Sinn zulassen, um die Postmoderne zu überwinden.

Das wird nicht einfach, denn in der gegenwärtigen Hegemonie verbinden sich Poststrukturalismus und Neoliberalismus zu einer Koalition der Beliebigkeit, die im Interesse der Stärksten jede gesellschaftliche Gestaltung unterbindet. Wen wundert es also, wenn den entpolitisierten Biedermeiern nur die Ironisierung ihrer Kindheit bleibt?

03.12.2010

Aphrodite and Dionysus- missing in action


What is the sudden rush to establish an order in everybodies lives? What is the urge to draw red lines, and establish rules without any need?
Whatever happened to Aphrodite and Dionysos?
Why does everybody seems so afraid to let go, to let things unfold? Isn't there any need to embrace chaos to open up new channels and evolve?
Did the lightness of being become unfashionable in our breeding clad thirties? What is the point of a life if you don't fell alive?

11.09.2010

Konformitätsdruck im Liberalismus

In einer auf individuellen Freiheitsrechten basierenden Gesellschaftsordnung stellt sich das Problem, wie die Verhaltensweisen der Individuen so kanalisiert werden können, dass die Ordnung reproduziert werden kann. Ziel gesellschaftlichen Konformitätsdrucks ist dabei insbesondere die Mittelschicht, die - anders als das Präkariat und die Eliten- aus ihrer Stellung zwischen Auf- und Abstieg besonders empfänglich für Anreiz- und Sanktionsmechanismen sind. Im Vergleich zu autoritären Gesellschaftsordnungen müssen die Konformitätsmechanismen jedoch subtiler sein, bestenfalls von der betroffenen Gruppe internalisiert werden. Das geschieht über einen Diskurs, der gesellschaftliche Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Armut etc als individuelle Herausforderungen umdeutet, die durch eine bestimmte Verhaltensweise (gesunde Ernährung, Flexibilität, Einsatzbereitschaft...) gemeistert werden können. Insbesondere die Kohorte der Dreissigjährigen, die noch nicht erfahren musste, dass Lebensläufe nicht design- und planbar sind, unternimmt enorme Anstrengungen, um die eigene Biografie in einem eng definierten Idealablauf ablaufen zu lassen. Abweichung gilt ihnen nicht als gesellschaftliche Rebellion, sondern als individuelles Versagen. Talent zu verschwenden, Chancen nicht zu nutzen gilt als die einzige Sünde der freien Menschen. Das Ergebnis individuellen Strebens nach der Ideallinie ist gesellschaftliche Konformität. Schärfere Mechanismen wirken auf Menschen, die über erhebliche Attraktivitätsressourcen verfügen. Attraktive Menschen werden daher bereits im prägbaren Alter mit direkten Konkurrenten kaserniert und indoktriniert (Modelagenturen, Castingshows). Der direkte Konkurrenzdruck unterläuft das Autonomie- und Machtpotential der attraktiven Menschen und führt zu gesellschaftlich konformen Verhaltensweisen.

05.04.2010

Get a life

To set this straight: it is not Berlin's fault. True, gentrification destroys entire neighborhoods, and disastrous urban development kills the rest. However, the reason why I feel so disaffected lately is my own life. My good life, to be precise.
Talking the night away with a great friend in a good bar, the best sushi in town, original cut movie night on a lazy Sunday night, and yeah, that fine show at the Neue Nationalgalerie. Never change a winning team. But then you sit in this tunnel and bridge bar in Mitte and fight down the same feeling that chokes you in a gentrified Manhattan restaurant. You start to realize your life has grown up a little, but your lifestyle has not. In theory, you know exactly what needs to be done. But then your good life intervenes, and things simply drag on.

27.02.2010

Japanese whispers


Berlin is not only attracting all sorts of European and American hipsters, but also hundreds of Japanese of the lost generation. Fleeing their restrictive society, Berlin seems like the ideal place to develop a new identity. I admire their strength to make it in a culture this different from their own, without much language skils, working shitty jobs. I sure hope they will eventually find out that Germans are not slackers forever, but have a solid career plan up their sleeves.

08.01.2010

Disposable Investors Architecture



You can tell by the colour. Turquoise. Windows, pillars, balustrades, all in turquoise. Cineplexes, hotels and shopping malls build on an investment plan. Stuff in as many add ons as you can to break even asap: a lounge bar in the movie theatre, a golf course at the spa and a fake beach bar around the mall! Of course, there is no penny left for details or, uh, material. Fake gold, faux finish and yes, turqouise handrails kill any glamour, soul or even sense. Needless to say, nobody with a sane mind would ever sit in that cocktail bar or lounge in front of a mall. Like all disposables, it will be what it is build for: trash.

09.10.2009

Sweden

If thats the end result of social democracy, I should quit. Domesticated and housebroken. Women aggressively reject gentlemen behavior or even compliments for fear of looking less emancipated. German men, universally renowned for being sissies, are considered machos. The waiter refuses to colelct the dirty dishes from your table cause this could undermine social equality. Tax authorities publish your income every year for the same reason. At least, with a little flamboyance you can feel like a Southern European.

30.09.2009

Democracy in a globalized world

You see it in many democracies. Just recently in Germany. Too often in Eastern Europe. Hopefully not in the US. Democratic governments that try to cope with global challenges such as the financial crisis, climate change, terrorism. Not much room for maneuver. More often than not directed against the vested interests of the constituencies of the governing parties. Electoral defeat will follow suit. So, whats will happen if party strategists change to demand driven policies? Don't even try to challenge the privileges of their constituents for the greater common good, but will refrain from any sustainable policy? Or, from another perspective, is it really possible to "better communicate" reform policies? If the individual citizen is not prepared to give up privileges, a policy designed to benefit the greater good will eventually fail. So political parties have a lot of homework to do. But the democratic sovereign also has to come out of his corner and start to particpate in policy discourse again. A fundamental misunderstanding complicates this: there is a widespread belief in a priori "true" and beneficial-for-all solutions. This misconceives the nature of politics: any policy produces winners and loosers. To drive an agenda means mobilizing a coalition of interests, and prevail over an opposing coalition of interests. Without such political will and capacity, no policy, no matter how universally beneficial, will be put forward.

Global Social Climbers


You see them in Shanghai or Dubai, between Singapur and New York: a new breed of political-economic elites. Highly educated, polylingual, cosmopolitan, alert Young Professionals. Having a great job at a Multinational Company, Investment Fund or International NGO, they constantly shuttle between their global networks of friends and that hands-on charity project they founded on the side. You preferrably meet them in skylounges, weddings at a fancy Umbrian castellos or at international conferences on climate change. It is hard to dislike them as they sport fantastic social skills, an open attitude and have plenty of good stories to tell. It even makes sense to work with them, as they have excellent networks and superior knowledge of informal information. What bugs me is their lack of interest in any deeper analysis, of any long-term committment to a cause, or even in friendship beyond networking and partying. Using that sustainability and human rights lingo and sometimes even striking a development and social justice pose, their shallowness adds to the growing cynicism of many in the Global South. So while I welcome the evolution of the materialist yuppie, I still smell the social climber beyond that glossy fassade.

12.08.2009

A short history of irony


In the 1980ies, moral engagement seemed the antidote to icecold Thatcherism. Selfrighteousness was abound, and led to moral blunders like the Band Aid lyrics (Bono: "Well tonight thank God it's them instead of you").
In the 1990ies, history was over, and irony replaced politics. T-Shirts with Brandt Zwieback symbolized this total retreat from the world, rediculing any serious statement.
Enter September 11, George W. Bush, Iraq, Darfur and the financial crisis. People started to realize that politics never stopped and could - surprise!- hurt them. Barack Obamas grandiose rhetorics took advantage of that new need for orientation.
However, a return to simplistic moralism is impossible in a postmodern society. Enter post irony. Be serious in a non-serious format. Be outspoken, but in a flamboyant fashion. Care, but offer a shimmering surface.

08.06.2009

Here we are now, entertain us!

The lack of regulation and control blew up capitalims, the resulting economic crisis wipes out one state after the other. Whats the response of European citizens? They vote for neoliberal and Euro-sceptic parties. Or even right wing extremists. But beware: voter bashing is the one and only taboo in democratuic societies: the voter is always wise. What chills me to the bone is not so much the results of European elections, it is the underlying attitude. The Greek citizen that cares about the res publica, the enlightened citizen that seeks information and acts according to his interests seem to be wishful thinking. Instead, there is a sense of entitlement, a lack of responsibility for the common good. In California, voters prefer to let the state go bankrupt instead of raising a single tax. The British, Dutch, and Hungarians prefer their national nutshell over the European umbrella. And don't they feel entitled to do so? Because "they on top" don't deliver goodies anymore, because parties don't make them feel good, because mainstream candidates are not entertaining enough? It smells so 1930ish...

06.04.2009

Shake the disease


For my generation, growing up in the Western hemishpere, it is our first pradigm shift. The global recession will change not only our values and rules, our plans and hopes, our relationships and behavior: it will change what we consider normal. For us, it is the first time we can first hand experience that "reality" is not what is seemed, that the world as we knew it was a construction- a constrcution that lasted only for a certain period of time. Our grandparents, used to war, inflation, the collapse of empires and regimes, can only shake their heads in disbelief of our naivety. Still, it is exciting to see the discourse hegemony shifting, the pendulum swinging back, the mainstream redefined. It tickles only a little bit when it changes the way we think and see the world. And yes, truth, history, normalcy, progress and all these funny things are still baked with that good old ingredient called power. So when the signposts have shifted, we all be wondering how we could have believed in such strange things and acted so irrational when following the old paradigm. Just like we will when this one shifts again.

07.02.2009

Irony is over

How fundamental our view of the world has changed can sometimes be judged by its more indirect repercussions. Eight years of incompetent Bush governance reminded us that politics do matter. Anyone remember the neoliberal discourse that the state should be limited to manage the dislocations of the market? Global terrorism, the return of imperial warfare, and the economic meltdown have crushed Fukuyama. History is back - Irony is over, baby.
Need proof? Imagine Obama's rhetoric in the ironic 1990ies. Enjoy Antony and the Johnsons' grand drama? Ever wondered about the return of historical movies to the big screen? Do the math.

29.09.2008

Every generation has its own desease


The collapse of the Soviet Union, 9/11, the rise of China are veritable historical changes. But did they the way we live in the West? The way the world wars, the Great Depression changed everyday life (if you were lucky enough to actually survive that mess)? As we see the financial crisis unfold and fears of a globak economic meltdown rise, I am wondering if we are prepared for such a shock? A generation that worries about the disappearance of their favorite childhood ice cream, are we ready for changes so fundamental that they crumble our entire life? Can we actually imagine the world as we know it could disappear? Only two generations ago, only two flight hours away today, the world as we know it becomes a faint possibility. How come we take it for granted?

The Hollow Grail

A Vernissage, a museum can be a lethal place. Conversation can actually turn to art. Guard your tongue: ignorance can lead to social death. As postmodern art is decidedly inaccessable, don't even consider cracking its genome. However, this attitude lets art too easily off the hook. In a time of crisis, when sense and sensibility are rare, what a void for the arts to tab in. Finally, art could come of its aestetic niche and be relevant again! More to flesh out than body juices, more to desbribe than the transparency of a glass window, more to worry than "me" versus "them". Conceptual art dares to be political gain, critical again. But guess what- to make a statement needs more than an diffuse feeling that things go wrong. It's bone-chilling to see how pathetic and hollow art can be when it finally dares to escape the cryptical, leaves the irony behind. The world needs more than a hug!

16.06.2008

Irish sheep

For those of you who are not interested in politics, and apparently thats statistically everbody, the Irish "No" to the EU Lisbon treaty is the gretest disaster in recent years. Whats even more troubling than the fact that 860.000 Irish can endanger the future of 450 million Europeans, is the agenda of the EU opponents: there is none. The most cited reason to vote "NO" is that the treaty was "too complicated" and people didn't know what is was all about. Instead of getting some information on an existential question and do some thinking on whats best for them, they just grabbed the feel-good factor of creating a mess for their political establishment. There are two words for this: "stupid" and "lazy". What's really freaking me out is that I am afraid this attitude prevails in most parts of our populations.

09.04.2008

Queer totalitarianism

Recently at West Germany: a few queer show-offs perform at 'Poopsie Club'. A young punk in the audience disrespectfully boohs at the artist. In a grim manner, he is being lectured by the entourage of the sensitive artist. . When he did not show any remorse, claiming freedom of speech for himself, he is almost thrown out. Exquisite: a subculture, dependent more than others on their freedom of expression, runs amok at the first unpopular utterance.

Orthodox liberalism

Over the past few years, the jewish population in Berlin has grown significantly. Their advent still marks a heartening sign for the German capital. Ironic footnote to this: the emergence of orthodox jews, adhering to strict religious, cultural and social values, is a pretty good benchmark for the liberality of a city.

21.03.2008

Kunst am Bau

Eine Vorschrift im deutschen Baurecht hält Bauherren dazu an, einen bestimmten Promillesatz der Bausumme für "Kunst am Bau" zu verwenden. Im Kern eine Subvention für den Kunstmarkt, insbesondere seine darbenden Töchter der bildenden Künste. Sounds good?
Ou lala, wenn Sparkassendirektoren, Kreisgemeinderäte und Versicherungsvorstände ein Kunstwerk auswählen? Das Gegenteil von arty ist artig! Nur nicht provozieren, gerne bunt und gefällig, abstrakt und monumental, das schafft den Eindruck von Mut, ohne auf eine Aussage festlegbar zu sein.
Das Ergebnis sind unerträgliche Schweiss-Skulpturen, bunte Popschrottensembles auf Verkehrsinseln, vor Postfilialen, in Empfangshallen. Schlimme Architektur erhält so den finalen Todesstoss....

12.03.2008

Rule by narcism

Starting with the latest wave of robotization, physical labour is on the retreat. The Information economy might be a scam, but without a doubt, knowledge is the key career driver across the spectrum. However, if you exspect mind training to be be next big thing, you will be fooled: most people put their bodies first.
Braindead working out in the gym, heavy dieting and the marcyless fashion regime form the fit-for-fun ideology. Extreme sports are on the rise, body art all about, personal style defines identities. While social climbers crave for status symbols, the post-college crowd seeks purity in its LOHAS ideology.
An entire generation hopes to be casted as the next supermodel, superstar or supercook. What's a feast for marketing, is a party for the ruling class. A people occupied with narcisstic self styling is even more easily administered.

31.12.2007

Kultureller Filter

Das Spannende an Kreuzberg/ Neukölln ist das Durcheinanderwuseln der verschiedenartigsten Menschen. Hier mischen sich nicht nur Türken, Araber, Russen und Deutsche, sondern auch Großfamilien und WGs, Hausbesetzer und Hippster, Hip Hop und Punk.
Dann geht man in ein Café, und ist in einer homogenen Welt- wie ein Filter hat die Tür nur Gleichartiges durchgelassen, oder hatte nur Gleichartiges ein Bedürfnis, hier einen doppelten Espresso zu trinken. Es mischt sich wenig, es lebt viel nebeneinander her.

16.12.2007

Holy Shit Shopping


"This is art", erklärt die Mittdreissigerin einer verdutzten Italienerin, die ihre Handyhäkelhüllen betrachtet. "I don't think so", denke ich. Die Vorweihnachtsdesignmärkte sind zur Selbstreferenz erstarrt. Waren Fernsehtürme aus Wachs, Filz und Discoglitter vor 5 Jahren zum Schmunzeln, sind die wiedergekauten Motive auf den Abendbrotbrettchen und die Kissen mit Zickzackmusternaht nur noch ununerträglich. In allen Variationen zum immergleichen Thema gibt es nun Geldbeutel mit Zickzacknaht, Handywärmer mit Zickzacknaht, Handwärmer, Nierenwärmer, Fingerwärmer. Das alles raunt laut und deutlich "Das kann ich auch selbst machen". Insgesamt ein Fanal für die "Kreative Metropole Berlin".

21.11.2007

Generation Biedermeier on the move?

Western 30 somethings came to politcal being in the wake of the end of the cold war and the "end of history". Liberal market democracy seemed unavoidably the best model, and only technical adjustments were to be made. The "political" was discredited as lobbyist and left for career politicians. In private conversation, political debate was almost considered faux pas.
The return of big questions of war and peace, (social) justice and existential dilemmas like climate change and energy security have politisized many. Some even discovered the joy of debating, swordplay and philosophising.
In Germany, the distinction between the "citoyen" and the "bourgeois" never materialized due to a lack of any real revolution. Thus, middle class always struggled over being spießig, recalling the the '68 revolution. A new Biedermaier generation reinvented Germany on the bourgeois side, rightfully critisized by a more political aware avantgarde.
However, the need for a qualified generation that can reassure social values and stabilize globalization shaken instutitions is blanked out. The Prenzlauerberg-happy crowd needs to take positions, to re-introduce the political into the private and prepare to run the system - its cosmopolitan attitudes, post-industrial work experiences and common sense pragmatism are needed to master a century proned to unseen conflict and deteriation.

Neoliberal paradigm

Whatever happened to the neoliberal paradigm? Severely hurt by the failure of the Washington consensus, the kiss of death seems to be the subprime crisis. Industries come to realize that consumers and qualified workers are needed for sustainable growth- all of these coming from the long disdained societies.
In Germany, the strike in the railroad industry points to a new perception: instead of condemning workers for hurting national competitiveness, the wider puclic seems to have an understanding for claims for higher wages and better working conditions.
The situation remains ambiguous. Watch out.

28.10.2007

Hase und Igel oder Guerilla Marketing


Der Wettlauf zwischen Subkultur und Werbung wird komplexer. Urban trendsetter möchten nicht vermessen und analysiert sein, schlagen Haken, schreiben codes ständig neu. Neuerdings unter Ablehnung jeder Zeichensetzung.

Das Gino ist solch ein Ort. Äußerlich nicht unterscheidbar von einer beliebigen Eckkneipe, quillt es über mit Bohemians. Die Zeichen sind subtil, und werden daher gerne von denen angenommen, die den Markern der Mainstream Kultur entkommen möchten. Hoffnungslos, ein Teil der Gruppe verkauft tagsüber, was sie nachts gelernt hat.

Das Pampero Appartment ist solch ein Ort. Äußerlich nicht unterscheidbar von einer Volksküche, quillt es über mit Hipstern. Die Zeichen sind subtil, und werden problemlos geschluckt von denen, die sich der Mainstream Kultur enteilt fühlen. Hoffnungslos, die Macher verkauft nachts eine Rummarke, wie sie es nachts zuvor gelernt hat.

12.12.2006

Generation Gähn

Was ist eigentlich mit den jungen Menschen los? Eigentlich dachte ich immer, ich fände ihre undefinierten Gesichter, ihren mangelnden Stil und ihre belanglosen Themen nur langweilig, weil meine Kohorte am Bruchpunkt Dreissig Plus eher nach oben Rat sucht als nach unten missioniert.
Aber es passiert ja wirklich nichts. Die 17-21 jährigen sehen genauso aus wie ihre Altersgenossen in den 1980ern und 1990ern: Punks, Yuppies, Metaller, Raver, Hip Hopper und der ganze andere Quatsch. They talk the talk and walk the walk. Wo ist die neue Jugendbewegung, die alles Alte beiseite fegt? Wann sagt man mir endlich, dass ich ein alter Sack bin und nichts mehr verstehe? Ich möchte ob meines Alters diskriminiert werden!

05.12.2006

Hüttenzauber

Woher kommt eigentlich der vorweihnachtliche Zwang zur Hütte? Nun kann man über Weihnachtsmärkte geteilter Meinung sein, zumindest sind sie ein Konzept in sich und leicht zu meiden. Warum aber müssen flächendeckend mit Tannenzweigen getarnte Leichtbauhütten in die potjomkinschen Glaspaläste gestellt werden? Und wer sollte dafür verachtet werden? Die Betreiber der Hauptbahnhöfe und Sony Centers, die der kalkulierten Wirkung ihrer Eventbauten auf Provinztouristen misstrauen und sie um bewährte Bauernfänger ergänzen zu müssen glauben? Oder die Masse selbst, die einerseits glitzernde Großstadt bestaunen will, sich dann aber doch lieber beglühweint unter Tannenzapfen versteckt?

27.11.2006

Alien

Im Kino läuft nun diese Werbung für ein Handy. Eine Frau geht telefonierend durch die Stadt, und alle Dinge, an denen sie vorbeikommt, verändern sich in eine 1930er Ästhetik. Hochhäuser, Bahnhöfe, Menschen, Autos. Aus David-Childs-Sparkassen-Funktionalismus wird Art Deco, aus Stangenanzügen feinster Tweed. Während ich melancholisch im Sitz versinke, trifft mich der Werbespruch in die Magengrube: "Das neue Dingsbums Handy. Dagegen wirkt alles andere altmodisch".

04.11.2006

You Tube Bigotterie

Jetzt schadenfreuen sich alle, die den Republikanern die Grätze an den Hals wünschen. Oder zittern, ob deren last minute negative campaigning den scheinbar sicheren demokratischen Wahlsieg noch verhindern kann.
Die neue Geheimwaffe: You Tube. Alles, was jemals medial geäußert wurde, und sei es unbewusst, findet seinen Weg hierher und kann instrumentalisiert werden, um den Gegner zu beschädigen.

Die bigotte politische Kultur der USA erfährt damit den finalen Todesstoß: Scherzworte werden zu Entgleisungen, Flirten zu sexueller Belästigung, kosmopolitische Dekadenz zu elitärem Zynismus.

O brotha, I feel thou.

10.10.2006

Air France

Klischees auszuleben hat mich nie gestört. In Frankreich lese ich gnadenlos Houllebecq. Insofern ist eigentlich mit einem Hinweis auf "Plattform", S. 33 unten alles gesagt. Aber auch alles zweimal zu sagen, stört mich nicht.
Flugreisen in Allgemeinen sind eine entwürdigende und entmündigende Angelegenheit. Mit dem Verlassen der eigenen Wohnstatt beginnt eine Phase, in der man als als Verdächtiger, Störenfried oder einfach Masse behandelt wird, während derer jedoch der Aktionsradius selbstbestimmten Handelns auf Null zusammenschrumpft. Mürbe von der ständigen Legitimation durch Ausweis und Boarding Card, steht der Reisende in Strümpfen vor einem halbgebildeten Kretin, um die Herkunft des Tascheninhaltes zu rechtfertigen bzw. gegebenenfalls in eine Plastiktüte zu entsorgen. Bleiben einem Frankreichreisenden zumindst die bellenden Fragen der amerikanischen Immigrationsoffiziere und ihrer deutschen Schergen erspart, hat man sich hier mit landestypischer Arroganz abzufinden, deren Chuzpe angesichts miserabler Organisation beeindruckt.
A votre santé.

25.08.2006

Kult-Designer

Warum bekomme ich immer eine Gänsehaut, wenn ich den neuen Mini Cooper sehe? Weil grundsätzlich Mitte Tussis mit Sonnenbrille auf dem blonden Köpfchen aussteigen? Warum berührt es mich eigentlich, wenn die falschen Leute das falsche Auto fahren?

Weil dieses Auto kaum hörbar "Kult" summt. Und weil die Zutaten dieses entworfenen "Kults" aus meiner Welt geklaut sind! Ironie! Selbstbespiegelung! Sehnsucht nach Stil!

Des Kontextes entkleidet werden sie eingesetzt, um arglose Social Climbers einzufangen.

Funktioniert das? Ja. Funktioniert das mit allen? Nein. Trägt der Rest zur beständigen Wiedergeburt des Systems bei? Ja. Ist dieser Rest damit funktionsnotwendiger Bestandteil des Systems, gegen das er sich definiert? Ja.

Gänsehaut?

23.08.2006

Culture Clash

Doch, es waren schöne Hosen, sonst wäre ich gleich wieder gegangen. Eigentlich bin ich längst zum Kauf entschlossen.

Der Verkäufer ist sich seiner Sache scheinbar noch nicht so sicher. Oder er hat es sich zur Mission gemacht, einem modisch hoffnungslosen Fall etwas Hilfestellung zu geben. Es muss ja auch ein erschütternder Anblick sein, wie ich da stehe, die Brille vom Flohmarkt, das Jacket offensichtlich aus einem Altkleidersack.

"Original Fashion!", beschwört er mich.

Offensichtlich bin ich ein schwieriger Kunde. Vielleicht sollte ich ihm das Gefühl geben, dankbar zu sein für seine Einführung in die modischen Kodizes der türkischen Riviera. Was muss ich so stocksteif deutsch auf meinen Vorstellungen beharren?
Ich kann es nicht. Der kleine Unterschied zwischen uns ist unüberwindbar. Seine selbstverliebte Unfähigkeit, diese unerschütterliche Ignoranz, die noch nicht mal eine Ahnung erlaubt, dass es noch etwas anderes geben könnte als das fixe Armani Exchange Universum - kratzt dennoch an meiner Identität. Das postmoderne Spiel mit Ironie, Bezügen und Verweisen - es ist hier noch nicht vermittelbar.

Generation Biedermeier

Berlins Mitte ist bevölkert von jungen Menschen, die der bürgerlichen Enge ihrer Klein- und Mittelstädte entfliehen und in Berlin ein anderes Leben führen wollen. Der Mythos von der grenzenlosen Freiheit, von einer neuen Avantgarde kreativer Menschen aus aller Welt, übersieht dabei allerdings, dass die Abgrenzung von der bürgerlichen Elterngeneration rein ästhetisch war. Die gefühlte Andersartigkeit beschränkte sich meist auf das Tanzen auf Dächern und in Kellern.

Heute spazieren Hipster Moms mit Retro-Kinderwägen durch den mit Kitas bepflasterten Prenzlauerberg, während die Väter ihren Oldtimer um die Ecke parken. Bei Waffeln mit heißen Kirschen unterhält sich die Generation junger Angestellter über die passende Ausgestaltung der Altbauwohnung. Die Selbstbezogenheit wird nur noch von der Rückwärtsgewandheit der allgegenwärtigen Kindheitsfetische übertroffen.Die neue Avantgarde hat sich ästhetisch neu definiert, lebt aber mit den bürgerlichen Werten ihrer Eltern: Kinder, Karriere, materieller Wohlstand.

Dem revolutionären Gestus der 68er-Eltern wird eine umfassende Ironisierung entgegengestellt: wer nichts ernst nimmt, muss sich nicht auseinandersetzen, muss sich nicht positionieren.
Das Zerplatzen der utopischen Träumereien der 68er dient dabei als Rechtfertigung für den völligen Verzicht auf eigene gesellschaftliche Visionen über das unmittelbare private Umfeld hinaus.

Einerseits gibt es ein ängstlich-egoistisches Kalkül, eine klare Positionierung könnte dem beruflichen Fortkommen in einem schwierigen Arbeitsmarktumfeld schaden. Übergeordnet gibt es aber eine verbreitete Haltung, politische Positionierung und streitbares Einmischen mit parteipolitischem Ränkespiel, Karrierismus und klandestinen Interessen gleichzusetzen. Gesellschaftspolitische Kontroversen sind daher in privaten Räumen tabuisiert.

Dabei wird übersehen, das die weg-ironisierten gesellschaftlichen und ökonomischen Umwälzungen gerade diese heile Welt untergraben und radikal verändern. In der gesellschaftlichen Debatte über die Antworten auf diese Umwälzungen wird die sprachlose Generation nicht gehört. Mit den ökonomischen, kulturellen und politischen Folgen dieser über ihre Köpfe hinweg getroffenen Weichenstellungen wird sie sich arrangieren müssen. Die Verweigerung der Teilnahme am gesellschaftspolitischen Diskurs schwächt das Fundament einer Demokratie. Der Verzicht auf ein offenes Bekennen zu den Grundwerten der Demokratie überlässt die Diskurshoheit radikalen politischen oder fundamentalistischen Kräften.
Aber Lichtenberg und Neukölln sind weit weg von den Chai-Latte Cafés der neuen Mitte.....

16.08.2006

Von steckengebliebenen U-bahn Zügen

Spannend das Verhalten in Extremsituationen. Fällt in New York ein Subway Train aus, warten die Menschen – egal welcher Herkunft! – geduldig bei 45 °C, im Dunklen, bis zu einer Stunde, ohne sich zu beschweren, ohne ein Wort zu sprechen.
In Deutschland, wo Kommunikation mit Fremden ein Ausnahmenfall ist, wo man Freundlichkeit mit Oberflächlichkeit verwechelt oder als Eindringen in die Intimsphäre vermeidet - beginnen die Menschen unmittelbar, sich zu beschweren. Das gemeinsame Murren entspannt, oftmals entstehen vergnügliche Konversationen mit Menschen, mit denen man unter anderen Umständen niemals kommuniziert hätte.

Fahrrad Nazis

Ich fahre auf dem Fahrradweg. Er ist breit, ohne Probleme passen zwei entgegenkommende Räder aneinander vorbei. Ein Mann schreit mich mit verzerrten Gesicht an: Falsche Richtung, Du Vollidiot. Ein Fußgänger motzt lauthals über mich. Ein Fahrrad-Nazi mit Helm steuert drohend auf mich zu.
Woher diese Emotion? Warum dieses Tabu?
Fahren entgegen der Fahrtrichtung scheint in Deutschland einer der Regelverletzungen zu sein, die besonders hart sanktioniert werden.
Ganz im Gegensatz zu anderen Regeln, deren Verletzung als nachsehbar ignoriert wird!
Ungesühnt darf man trinken, knutschen, Haut zeigen und schwitzen, vordrängeln, rasen, schummeln, kiffen, nackt baden und loveparadieren. Wie angenehm!

Aber : Fahre niemals auf dem Fahhradweg entgegen der Fahrtrichtung!

Warum gerade diese Regel?

Müssen im Straßenverkehr erniedrigte und entrechtete Radfahrer ihren Frust entladen?
Oder ist es der verunsicherte Kleinbürger, an der Nase herumgeführt von der alles ironisierenden Gesellschaft, der aber nun mal wirklich aber hallo Sie da! eine offensichtliche Regelverletzung sanktionieren darf?
Kann er so seine Weltkonstruktion bestätigen und vor den Zumutungen der autoritätsskeptischen Postmoderne retten?

18.03.2006

Blockwart

No sitting, littering, loitering, playing! No kissing in public! No smoking, drinking! Penalty! It's the Law!
In den USA – auch in New York – fühle ich mich permanent überwacht. Alles scheint dort geregelt. Überschreite ich eine Regel, macht mir das Angst, weil ich weiß, dass die Bevölkerung auf die Einhaltung peinlich genau achtet.
Neulich stellte sich mir ein alter Mann in den Weg, weil ich regelwidrig am Central Park Lake Fahrrad fuhr!!! Ein alter Mann! Im Central Park! Ist der lebensmüde? Warum ist es ihm so wichtig, diese Regelverletzung zu sanktionieren, dass er sich in Gefahr bringt? Ich bin ein wildes Tier! Theoretisch! Zumindest!
Weil mir viele Regeln so absurd, so heuchlerisch, so prüde, als nicht hinnehmbarer Eingriff in meine Privatsphäre erscheinen, fühle ich mich erdrosselt und entmündigt.
Umgekehrt fühle ich mich in Deutschland – trotz omnipräsenter Verbote (eins der wenigen deutschen Worte, die es ins Amerikanische geschafft haben....) freier - weil ich weiß, welche Regelverstöße sanktioniert werden und welche nicht.
Meine Freundin Porat hingegen erlebte Deutschland als Verbotsalbtraum voller Kontroll-Nazis. So unerträglich, dass sie in die USA zurückgezogen ist.

Liegt es daran, dass die gesellschaftlichen Regeln leicht verschoben sind? Dass die Prioritäten, was als hinnehmbare Abweichung gesehen wird und was nicht, anders sind?
In einem kulturell ganz fremden Land akzeptiert man die fremden Normen leichter- weil es so offensichtlich nicht unsere sind! Amerikaner und Europäer sehen sich aber immer noch als Teil derselben Kultur. Die Regeln - und die informelle Codierung welche Regelen sanktioniert werden und welche nicht - sind nur ein klein wenig anders, kaum wahrnehmbar verschoben.
Diese Abweichungen - besonders, wenn sie mit Eingriffen in unsere Autonomie einhergehen - werden daher wütend zurückgewiesen oder ohnmächtig erlitten.
Wie kommt der dazu, mich für so eine Kleinigkeit zu maßregeln! Mich! Spießer! Faschist! Blockwart!

Glamouröse Soziallegasthenie

Paul ist eine hochgezüchtete Maschine, ein verwöhnter Großstadtmensch, ein neurotischer Intellekt, ein arroganter Kosmopolit. Ich mag ihn. Ich erkenne aber in ihm eine Tendenz, die ich auch einige Jahre verfolgt habe: eine zunehmende Ungeduld für Menschen, die nicht den gleichen Erfahrungsstand haben. Eine überhebliche intellektuelle, kulturelle und stilistische Arroganz, ein zunehmender Autismus, ein neurotisch eigensinniges Verhalten. Sure, that`s flamboyant, thats glam!Für die Umwelt aber extrem anstrengend.
Entstehen deshalb diese bizarren Fag Head – Queen Paarungen, weil die einen sich an der Devianz berauschen, die anderen den Spiegel, den Schild brauchen, auf dem sie stehen? Können sich deshalb Menschen, die ähnlich überdreht sind, nicht ertragen?